Nebenwirkungen dokumentieren: 5 Zeilen, die beim Termin helfen
Nach der dritten Chemo weißt du nicht mehr genau, ob die Übelkeit diesmal früher kam als beim letzten Mal. War es Tag drei oder Tag vier, an dem es dir richtig schlecht ging? Hattest du die Kopfschmerzen schon bei der zweiten Infusion, oder ist das neu?
Wenn deine Ärztin dich beim nächsten Termin fragt, wie es dir seit dem letzten Mal ergangen ist, sitzt du da und versuchst, aus einem Nebel heraus etwas Konkretes zu sagen.
Nebenwirkungen dokumentieren hilft dir genau da weiter. Nicht, weil du eine Akte führen müsstest. Sondern weil dein Kopf in dieser Zeit zu viel zu tragen hat, um sich auch noch an jedes Detail zu erinnern.
Inhalt
- Warum dein Gedächtnis dir gerade keinen Gefallen tut
- Was es dir tatsächlich bringt
- 5 Zeilen, die für einen Tag reichen
- Wie viel du wirklich aufschreiben musst
- Was das Dokumentieren nicht ersetzt
- Häufige Fragen zum Dokumentieren
- Fang einfach an, wo du gerade stehst
Warum dein Gedächtnis dir gerade keinen Gefallen tut
Das ist keine Schwäche von dir, das ist normal. Viele Frauen berichten während der Chemotherapie von einem regelrechten Nebel im Kopf, manche nennen es Chemobrain.
Dazu kommt die schiere Menge: Übelkeit, Müdigkeit, vielleicht Hautveränderungen, vielleicht ein tauber Finger, vielleicht Kopfschmerzen, alles gleichzeitig und alles ungewohnt. Ohne Notizen verschwimmt das zu einem einzigen „es ging mir nicht gut“. Und damit kann niemand arbeiten, auch du selbst nicht.
Dazu kommt ein Effekt, den viele unterschätzen: An guten Tagen erinnerst du dich schlechter an die schlechten. Das ist gnadenvoll, kostet dich im Sprechzimmer aber genau die Details, die weiterhelfen würden.
Was es dir tatsächlich bringt
Für das Gespräch mit deinem Behandlungsteam
Wenn du sagen kannst, an Tag drei kam die Übelkeit, an Tag fünf wurde es besser, das Mittel dagegen hat wenig geholfen, gibt das deiner Ärztin etwas, womit sie arbeiten kann. Vage Erinnerungen kann niemand behandeln. Wie du solche Termine vorbereitest, steht hier: Das Arztgespräch vorbereiten in 5 Schritten.
Für dich selbst, um Muster zu erkennen
Vielleicht merkst du nach drei Zyklen, dass Tag vier bis sechs bei dir immer die schwersten sind. Das ändert nichts an der Chemo. Aber es ändert, wie du diese Tage planen kannst, wenn du vorher schon weißt, dass sie kommen. Kleine Anker dafür findest du hier: Routinen während der Therapie.
Für das Gefühl, nicht ausgeliefert zu sein
Die Erkrankung nimmt dir gerade sehr viel Kontrolle ab. Ein paar Zeilen am Abend sind eine kleine Sache, die trotzdem ganz dir gehört.

5 Zeilen, die für einen Tag reichen
Mehr braucht es nicht. Wenn du nur diese fünf Dinge festhältst, hast du beim nächsten Termin alles, was zählt.
- Datum und Tag im Zyklus. Also zum Beispiel Tag 4 nach der Infusion. Das ist die wichtigste Zeile überhaupt.
- Was heute am auffälligsten war. Ein Wort genügt.
- Wie stark, ganz grob. Leicht, mittel, schlimm. Skalen von eins bis zehn braucht niemand.
- Was ein bisschen geholfen hat. Auch wenn es nur eine Wärmflasche war.
- Was du fragen willst. Der Satz, der dir jetzt einfällt und im Sprechzimmer weg sein wird.
Das dauert eine Minute, nicht zwanzig. Und die letzte Zeile ist die, die dir später am meisten nützt.
Wie viel du wirklich aufschreiben musst
Das hier ist keine Anleitung zu einem lückenlosen Symptomtagebuch mit Diagrammen. An manchen Tagen schreibst du mehr, weil du den Kopf dafür hast. An anderen reicht ein einziges Wort oder ein Kreuzchen auf einer Liste.
Beides ist richtig, und es muss nicht schön aussehen. Diese Notizen liest niemand außer dir, und manchmal nicht einmal du selbst noch einmal.
Wichtig ist nur, dass daraus keine Pflicht wird. Wenn du zwei Tage nichts eingetragen hast, fängst du nicht von vorn an, du machst einfach weiter. Wenn du generell mehr zum Aufschreiben in dieser Zeit lesen willst, findest du das hier: Tagebuch schreiben bei Krebs.
In An manchen Tagen reicht ein Kreuzchen gibt es genau dafür vorbereitete Seiten, auf denen du nur ankreuzen musst, was heute zutrifft, ganz ohne den Druck, einen vollständigen Satz zu formulieren. An Tagen, an denen selbst das zu viel ist, reicht buchstäblich ein Kreuzchen.
Was das Dokumentieren nicht ersetzt
Notizen ersetzen kein Gespräch mit deinem Behandlungsteam und keinen ärztlichen Rat. Wenn ein Symptom dir Sorgen macht oder plötzlich auftritt, ruf an, warte nicht auf den nächsten Termin.
Deine Notizen sind eine Gedächtnisstütze und ein Werkzeug im Gespräch, mehr nicht, und das ist schon viel. Einen ersten Überblick über typische Nebenwirkungen und ihre Behandlung findest du beim Krebsinformationsdienst.
Häufige Fragen zum Dokumentieren
Auf Papier oder im Handy?
Was du eher benutzt. Das Handy ist immer dabei, Papier lenkt weniger ab und liegt beim Termin griffbereit. Beides ist besser als der Vorsatz, sich zu erinnern.
Muss ich das der Ärztin zeigen?
Nur wenn du möchtest. Meistens reicht es, vorher hineinzuschauen und die zwei, drei wichtigsten Punkte zu nennen. Deine Notizen sind deins, nicht Teil der Akte.
Was, wenn ich tagelang nichts eingetragen habe?
Dann machst du heute weiter. Du musst nichts rekonstruieren. Eine Lücke sagt übrigens auch etwas aus, meistens nämlich, dass es dir zu schlecht ging.
Macht mich das Aufschreiben nicht noch fixierter auf Symptome?
Bei den meisten Menschen ist es umgekehrt. Ein festgehaltenes Symptom muss nicht mehr im Kopf gehalten werden. Wenn du merkst, dass dich das Notieren stundenlang beschäftigt, kürz es auf ein Wort am Abend.
Fang einfach an, wo du gerade stehst
Du musst nicht rückwirkend die letzten drei Wochen rekonstruieren. Fang heute an, mit dem, was gerade ist. Ein Datum, ein Wort, fertig. Der Rest ergibt sich von selbst.
Und wenn die Müdigkeit dabei das größte Thema ist, hilft dir vielleicht auch dieser Beitrag: Fatigue bei Chemotherapie.
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Hinweis: Die Inhalte auf dieser Website dienen der allgemeinen Information und beruhen auf persönlicher Erfahrung sowie fachlichem Hintergrundwissen der Autorin. Sie ersetzen keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn es dir anhaltend schlecht geht, wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere Fachperson.
